Systemische Beratung und Therapie

Menschen leben nicht im "luftleeren Raum". Sie sind eingebunden in das soziale Geflecht ihrer Beziehungen zu anderen Menschen (Partnerbeziehung, Familie, Herkunftsfamilie, Schule, Arbeitsplatz). Menschen reagieren aufeinander und beeinflussen sich gegenseitig. Deshalb betrachtet die systemische Therapie die Einzelperson mit ihren psychischen Problemen als Teil in einem größeren Zusammenhang, einem sozialen System, das sich in einem Gleichgewichtszustand befindet. Verändert sich ein Teil in diesem System, zieht das zwangsläufig auch Veränderungen der anderen Teile nach sich, um das Gleichgewicht wieder neu herzustellen.

 

Suche nach Ressourcen und Lösungen

Als Ressourcen bezeichnet man die psychischen Fähigkeiten und Stärken, die es dem Menschen ermöglicht haben, sein bisheriges Leben zu meistern. Oft sind diese Ressourcen verschüttet oder in Vergessenheit geraten oder sie werden nicht als solche erkannt. In der systemischen Therapie geht es darum, diese Fähigkeiten neu zu entdecken und zu stärken, um gegenwärtige Probleme besser lösen zu können.

Systemische Therapie zielt von der ersten Stunde an auf Problemlösung ab. Ursachen und Hintergründe spielen nur insofern eine Rolle als sie für die Lösungsfindung notwendig sind.
So wie jedes Problem für den Einzelnen einzigartig ist, kann es auch keine Standardlösungen geben. Jeder Klient (Klientin, Paar, Familie) kann im Laufe der Therapie seine individuelle, für ihn passende Problemlösung finden.

 

Familientherapie

Familienbrett 

Die systemische Therapie wird auch als Familientherapie bezeichnet. Das bedeutet aber nicht, dass die systemische Therapie sich auf die Behandlung von Familien beschränkt, sondern es besagt vielmehr, dass die Ursprungsfamilie mit ihren Beziehungen für den Menschen prägend ist und Einfluss auf die Gestaltung seiner späteren Beziehungen hat. Deshalb spielt auch in der Einzeltherapie von Erwachsenen und in der Paartherapie die Aufarbeitung der Beziehungen in der Ursprungsfamilie eine große Rolle.

Familienaufstellungen
Familienaufstellungen werden in Deutschland vorwiegend mit dem Familienstellen Bert Hellingers in Verbindung gebracht. Hellinger hat eine große Fangemeinde um sich geschart, aber auch viele Kritiker auf den Plan gerufen, v.a. durch seine autoritäre und direktive Vorgehensweise.

Familienaufstellungen sind zur Zeit „in“ und werden in großem Umfang angeboten (von seriösen und unseriösen Anbietern). Meiner Ansicht nach gehören sie ausschließlich in die Hände von ausgebildeten Familientherapeuten. Dort sind Familienaufstellungen (oder Familienskulpturen, nach Virginia Satir, die diese Methode entwickelt hat) ein hervorragendes Mittel, um die Beziehungen innerhalb einer Familie (aber auch innerhalb von anderen Gruppen und Systemen) darzustellen und Veränderungsmöglichkeiten herauszuarbeiten. Aber sie sollten eingebettet sein in eine laufende Therapie. Die Ergebnisse und Erkenntnisse aus einer Aufstellung bedürfen der weiteren Bearbeitung und Verarbeitung, um für den (oder die) Klienten wirklich hilfreich zu sein. Ich habe Menschen kennen gelernt, die durch eine (alleinige) Familienaufstellung erst richtig verunsichert wurden, Probleme bekamen und sich damit völlig allein gelassen fühlten.

Ich arbeite mit Familienskulpturen, wenn sie sich im Verlauf der Therapie oder vom Thema her anbieten. Dafür ist es nicht zwingend notwendig, dass alle Familienmitglieder anwesend sind. Abwesende können durch Platzhalter (z.B. Stühle) vertreten werden. Bei Einzelklienten verwende ich das Familienbrett, bei dem mit Holzfiguren die Familie aufgestellt wird.

Familienskulpturen sind aber nur eine Methode, mit der in der systemischen Therapie gearbeitet wird. Es stehen außerdem zahlreiche andere erlebnis- und handlungsorientierte Methoden zur Verfügung, die ebenso wirkungsvoll sind.

 

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