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Welche Therapie ist die richtige für mich?
Die verschiedenen Therapierichtungen unterscheiden sich vor allem dadurch, welches Menschenbild ihnen zugrunde liegt, welches Erklärungsmodell für die Entstehung von Störungen und deren Behandlung sie liefern und mit welchen Methoden sie infolgedessen arbeiten. Die wichtigsten Therapieformen habe ich unter dem Punkt „Begriffsklärungen“ beschrieben.
Welche Therapie nun die richtige genau für Sie ist, müssen Sie selbst entscheiden. Was Sie persönlich am meisten anspricht, was Ihnen plausibel erscheint, ist auch richtig für Sie. Auch Therapeuten entscheiden sich ja aus denselben Gründen für „ihre“ spezielle Richtung. Jeder gute Therapeut ist natürlich davon überzeugt, dass „seine“ Methode am wirksamsten ist, aber er wird auch erkennen, wo seine Grenzen sind und Sie gegebenenfalls zum Kollegen überweisen.
Und im Übrigen gilt: Was hilft, ist richtig. Man kann ein Problem von den verschiedensten Seiten aus angehen, Hauptsache, Sie als Klient fühlen sich hinterher besser und einer Lösung näher.

Wie finde ich den richtigen Therapeuten?
Scheuen Sie sich nicht, im Bekanntenkreis herumzufragen. Viele Menschen geben ungern zu, dass sie schon einmal beim Psychotherapeuten waren, aber wenn Sie ganz neutral um Auskunft bitten, werden Sie bemerken, es sind mehr als Sie vermutet hätten. Viele Therapeuten bieten Kurse oder Vorträge (z.B. an Volkhochschulen) an. Besuchen Sie diese und machen Sie sich dadurch ein persönliches Bild von dem Therapeuten. Im Internet gibt es zahlreiche Therapeutenlisten, von denen aus Sie meist mit einem Link auf die Homepage des jeweiligen Therapeuten in Ihrer Nähe gelangen. So können Sie sich gleich einen ersten Eindruck verschaffen.
Viele Untersuchungen haben gezeigt, dass der Therapieerfolg weniger von der Therapieform oder der jeweiligen Methode abhängt als vielmehr von der Beziehung zwischen Klient und Therapeut (bis zu 80 %). Testen Sie also - wenn nötig - mehrere Therapeuten oder Therapeutinnen und spüren sie in sich hinein, bei wem Sie sich am wohlsten fühlen. Das ist dann auch der /die Richtige für Sie.

Ist mein Problem wirklich so groß, dass ich Psychotherapie brauche, oder mache ich mich damit lächerlich?
Wie ernst oder wie groß Ihr Problem ist, entscheiden alleine Sie selbst. Was für den einen einfach und lösbar erscheint, kann einen anderen völlig aus dem Gleichgewicht bringen. Entscheidend ist, ob Sie unter dem Problem leiden und das Gefühl haben, es nicht alleine lösen zu können, oder auch nur das Bedürfnis, den Rat eines Fachmanns darüber einzuholen.
Im Übrigen ist es kein Zeichen von Schwäche oder Unfähigkeit, sich psychologische Unterstützung zu suchen. Probleme und Krisen können jeden treffen – ohne Ausnahme. Wer die Stärke und Tatkraft besitzt, Probleme zu bewältigen und Krisen als Chance zu nutzen, macht einen gewaltigen Schritt in Richtung Weiterentwicklung und Lebenszufriedenheit. Manchmal ist das eben nur mit professioneller Hilfe möglich.

Schuld an meinen Problemen ist meine ungünstige Lebenssituation. Kann Psychotherapie mir dann überhaupt helfen?
Psychotherapie kann sicher nicht ihre Lebenssituation verändern, aber sie kann Ihnen helfen, Ihre Situation aus einer anderen Perspektive zu sehen und Ihre eigenen Kräfte und Fähigkeiten zu mobilisieren, um Ihre Lebenssituation Schritt für Schritt selbst zu verändern.

Kann ich auch zur Eheberatung oder Paartherapie gehen, wenn mein(e) Partner(in) nicht dazu bereit ist?
Natürlich ist eine Partnerschaftsberatung am wirkungsvollsten, wenn beide Partner daran teilnehmen. So haben beide die Möglichkeit, ihre Sichtweise unmittelbar einzubringen und gemeinsam Problemlösungen zu finden. Aber prinzipiell lassen sich Paarprobleme auch dadurch bearbeiten, dass man die eigene Einstellung zur Beziehung und zum Partner/zur Partnerin überdenkt und die eigenen Verhaltens- und Reaktionsweisen dem Partner/der Partnerin gegenüber verändert. Häufig kommt bereits dadurch eine Veränderung in die Beziehung und es kann sogar passieren, dass der Partner/die Partnerin neugierig wird auf das, was da in der Beratung/Therapie passiert, und dann doch mitkommen will.

Werden bei einer Psychotherapie alte, belastende Dinge aufgewühlt, die ich gar nicht wissen will?
Wie „tief“ eine Therapie geht, bestimmen prinzipiell Sie selbst. Ein verantwortungsvoller und einfühlsamer Therapeut wird Ihnen nie Dinge zumuten, die Sie nicht verkraften können. Andererseits erfordert eine echte Veränderung und ein wirklicher Therapieerfolg oft auch die Auseinandersetzung mit unangenehmen Wahrheiten, aber die Aufdeckung solcher Wahrheiten in einer schützenden und unterstützenden Atmosphäre wird in der Regel eher als Erleichterung denn als Belastung erlebt.

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